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Beispiele für Wochenaufgaben
An jedem Sonntagnachmittag werden die Wochenaufgaben verteilt. Hier folgt eine kleine Darstellung einiger Arbeiten, die ich selber schon mal mitmachen durfte.
Valuable Objects
Hinter der Aufgabenbezeichnung "Valuable Objects" verbirgt sich das Mithelfen im Wertsachenbüro. Dort kann man als Gast in Taizé seine Wertgegenstände (Ausweis, Pass, Führerschein, Geldbeträge, Schmuck, Musikabspielgeräte, Fotoapparate etc.) abgeben und einschließen lassen, damit man sie nicht die ganze Zeit mit sich herumschleppen muss. Zelte und Baracken sind ja ständig offen und daher nicht dafür geeignet, Dinge vor unbefugtem Zugriff sicher zu verwahren. Bei dieser Wochenaufgabe wird man von Permanents, also Jugendlichen, die längere Aufenthalte in Taizé verbringen, angeleitet. Das Wertsachenbüro ist ein kleines Zimmerchen in "La Morada" (näheres zu den Örtlichkeiten in Taizé kann man z. B. hier erfahren), in welchem "Valuable objects" zu bestimmten Öffnungszeiten zur Aufbewahrung entgegengenommen werden. Das Abgeben ist eine gründliche, komplex gestaltete Prozedur mit zwei Formularen, Eintragungen in einem Abgabe-Buch, Karteikarten, zahlreichen Unterschriften etc. Die Wertsachen werden in nummerierte, signierte und versiegelte Tüten gepackt und deponiert. Ich finde an dieser Aufgabe schön, dass man dabei mit vielen anderen Gästen in Kontakt kommt. Natürlich ist der gesamte Aufenthalt in Taizé ein ständiges Kennenlernen und Begegnen mit Tausenden von unterschiedlichen Leuten. Im Wertsachenbüro hat man aber Gelegenheit, sich kurze Zeit auf eine einzige Person zu konzentrieren. Die Umgangssprache ist dabei meist Englisch. Also bemüht man sich als nicht-englischer Muttersprachler, sich mit seinem Gegenüber, das etwas abgeben will, in dieser Fremdsprache zu verständigen. Dabei übergibt man dem Abgabewilligen also zwei Formulare, in welche er u. a. seinen Namen und eine detaillierte Beschreibung der Abgabegegenstände einträgt. Da der Prozentsatz der deutschen Gäste in Taízé immer recht hoch liegt, sind natürlich auch oft deutsche Gäste im Wertsachenbüro. Aber nicht selten erkennt man dann erst beim Lesen des Formulares am Namen, dass man sich die Mühe mit dem Englischen hätte sparen können, was dann oft auch erleichterte und fröhliche Reaktionen bei deutschsprechenden Abgabewilligen hervorruft.
Churchwork
Das bedeutet
- Liedzettel sortieren und für das jeweils nächste Gebet (davon gibt es ja drei am Tag) vorzubereiten. Dazu stehen im Keller riesige Regale mit großen Kartons, wo die einzelnen Psalmen und Lesungen in unmäßiger Stückzahl gelagert sind.
- die Liederbücherstapel an den Kircheingängen zu ordnen (jeweils in Fünferstapeln, damit sie sich nicht zu sehr rundbiegen) und
- beschädigte Bücher auszusortieren und zu reparieren,
- die Tücher zu ordnen und zu falten, die für Kirchbesucher bereit liegen, welche sommers schulterfreie, kurze Kleidung tragen,
- jeweils vor den Gebeten die Kerzen am Altar anzuzünden (eine Unmenge in aufeinander gestapelten Ziegelquadraten),
- den Kirchenraum mit riesigen Staubsaugern zu reinigen (einer führt dabei den Schlauch mit der Düse, während ein zweiter den Rest der Maschine, die sogar zwei große Saugmotoren besitzt, schiebt und dabei das Kabel auf- bzw. abwickelt – je nach zurückzulegender Wegstrecke),
- Wachsflecken aus dem Teppichboden zu „bügeln“,
- Kaugummis abzukratzen,
- die Mikrofonkabel der Brüder, die während der Gebete die Solopartien singen oder sprechen, in Schneckenform zu ordnen,
- alte Kerzengläser zu putzen und mit neuen Kerzen zu füllen,
- die Gebetsbänkchen ordentlich in eine Reihe zu stellen und
- an den Seitenaltären meist im März und September die Buchsbaumzweige auszutauschen und frische Zweige fest zu tackern,
- den Altarboden zu schrubben und von Wachs zu befreien
Ich glaube, ich habe jetzt alles aufgezählt. Natürlich muss keiner ganz allein alles machen. Meist "spezialisiert" man sich auf ein oder zwei Aufgaben. Außerdem beansprucht diese Arbeit nicht den gesamten Tag. Es gibt drei Schichten - vormittags, nachmittags und nach dem Abendgebet, von denen man sich eine einzige für die Woche aussucht. Außerdem bedeutet so eine "Schicht" auch nicht Arbeit pur, sondern man hilft eben gemeinschaftlich in einem kleinen Bereich mit, dass das Wochentreffen reibungslos ablaufen kann. Die Frères bemühen sich dabei immer sehr, die Gruppe der Helfer bei Laune zu halten - jeder hat da so seine eigene Strategie. Von Witzen über Knobelspiele bis zum Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte (abends natürlich) ist alles dabei! Ist die "Arbeitszeit" dann zu Ende, trinkt man gemeinsam Tee und isst Kekse. Bei der "Abendschicht" wird zuerst Tee getrunken und dann in der Sakristei im Keller allmählich mit den Aufgaben begonnen, während man durch die Mauern hindurch noch lange die singenden Leute beim Abendgebet quasi als Backgroundmusik hören kann.
Church-Work ist auf jeden Fall ein sehr vielfältiges Aufgabengebiet und gerade im Hochsommer herrschen in der Kirche noch die angenehmsten Temperaturen (im „Keller-Zettel-Archiv“ sowieso). Wie so oft in Taizé spürt man, dass alles nach einem feinen Plan gestaltet wurde bzw. eine feine Entwicklung genommen hat. Besonders liebenswert finde ich, dass sämtliche Geräte und Steckdosen in der Kirche Namen haben: So heißt der große Staubsauger „Confiance“ (Zuversicht), der kleine „Patience“ (Geduld), der Sprühsauger „Joie“ (Freude) und eine Steckdose z. B. „Paix“ (Frieden).
Contact person
Jetzt geht es also um die Aufgabe "Contact Person": Contact-Persons (Gesprächsgruppenleiter) kümmern sich bei der Bibeleinführung darum, dass der Kontakt zwischen dem Frère, der die Bibeleinführung gibt, und den jeweiligen Kleingruppen erhalten bleibt, die sich im Anschluss zusammenfinden, um die angesprochenen Themen zu vertiefen. Diese Contact Persons tauschen sich vor jeder Bibeleinführungseinheit mit dem Frère über die Inhalte, über mögliche Probleme in der Gruppe u. ä. aus und sorgen während der Gruppenarbeit dafür, dass auch die (fremd-) sprachliche Verständigung funktioniert. In einer gutfunktionierenden Kleingruppe, wo sich von selbst eine lebendige Diskussion entwickelt, braucht die Contact Person kaum in Erscheinung zu treten.
Raking Leaves
Diese Aufgabe wird im Frühjahr vergeben, wenn der Schnee geschmolzen ist. Dann wird der Familienbereich "Olinda" wieder für die erneute Nutzung im Sommer klargemacht. Um Zeit zu sparen und auch, weil oft viel Arbeitsgerät mitzuschleppen wäre, wird man per Kleinbus von einem "Permanent" an den Ort des Geschehens in das zu Fuß etwa 10 Minuten entfernte Ameugny gefahren und später wieder abgeholt. in "Olinda" wurden die zahlreichen Spielplätze während des Winters mit Zeltplanen bedeckt, um die Spielgeräte vor der Witterung zu schützen. Als Helfer hat man nun die Aufgabe, die Spielgeräte wieder freizulegen, die Planen zu säubern und zusammenzufalten sowie das angesammelte Laub und herabgefallene Äste zusammenzurechen und in Müllbeuteln zu sammeln.
Meal distribution
Mit Essenausgeben ist wohl jeder Wochengast mal an der Reihe. In Taizé gibt es nämlich viermal täglich etwas zu beißen: Frühstück, warmes Mittagessen, Tee mit Gebäck und warmes Abendessen. Das Essenausteilen ist mittags und abends auf acht bis zehn "Stationen" verteilt. Der Erste sammelt die Essensmarken ein, der Zweite gibt Tabletts aus, der Dritte die Plastikteller, der Vierte einen "flat spoon" voll von löffelbarem Essen, der Fünfte "two slices of" Weißbrot, der Sechste einen Keks oder ähnliches, der Siebte einen Joghurt oder ähnlich verpackten Kompott oder Frischkäse, der Achte verteilt Obst, der Neunte gibt die Plastiktrinkbecher aus und der Zehnte muss sehen, dass die Leute ihre Löffel bekommen. Viele verlassen die Schlange schon vor der Plastikbecherausgabe, da muss man schon fast mit den Löffeln nach ihnen schmeißen. Jeder bis auf den Essensmarkeneinsammler bekommt dazu einen Einwegplastikhandschuh oder zwei, je nach Bedarf. Jede einzelne Schlange wird von einem "Permanent" betreut, der die Aufgaben verteilt, für das Nachschubliefern zuständig ist und auch entscheidet, wann die Schlange geschlossen wird. Beim Frühstück und beim Nachmittagstee sind dann entsprechend weniger Leute beschäftigt. Die Essensausteiler bekommen zwar später ihre Mahlzeiten, nämlich erst, wenn alle anderen etwas haben, dafür hat diese Aufgabe andere Vorteile: Man tritt auf einfache Weise mit allen anderen Wochengästen in Kontakt, die einem in der Funktion als Essensausgeber sehr wohlwollend und "dankbar" gegenüber eingestellt sind. Außerdem kann man in vielen Sprachen lernen, was "Guten Appetit!" bedeutet - bspw.
- "enjoy your meal!"
- "buon appetito!"
- "smacznego!"
- "¡que aproveche!"
- "afiyet olsun!"
- "bon appétit!"
- "poftă bună!"
- "[mani zabtuseyo]!" u.v.a.m.
Und wie immer wird man von hochmotivierten "Permanents" angeleitet, die sich alles Mögliche überlegen, um einem bei der Arbeit Kurzweil zu verschaffen - z. B. "Schlacht"-rufe bzw. -gesänge...
Washing up
Die Abwäscher bekommen eine Plastikschürze und als erstes zu essen, um möglichst früh mit dem Geschirrspülen beginnen zu können. Abgewaschen wird im Sommer in riesigen Metallbottichen, die mit von der Decke herabhängenden Gartenschläuchen mit Wasser gefüllt werden. Außerdem landet im Spülwasser noch eine ganz beträchtliche Anzahl von Chlortabletten, so dass auch ja alles keimfrei ist und man nach dem Abwasch total nach Schwimmbad riecht (ebenso auch das Geschirr). Bei hochsommerlichen Temperaturen artet das Abwaschen dann meist irgendwann in Wasserschlachten aus. Im Winter wird in Baracke 10 bzw. in der Küche in El-Abiodh abgewaschen, wo es dann auch gesitteter zugeht.
Point 5
Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich sämtliche Reinigungsaufgaben: Toilettenputzen, Baracken säubern, Fensterputzen etc. Auch solche Arbeiten gehören natürlich dazu. In einem guten Team ist die Aufgabe aber schnell erledigt, und wie vorhin schon bemerkt, gehen in Taizé auch Arbeiten locker von der Hand, welche man zuhause vielleicht nur ungern erledigt. Gerade an "Point 5" trifft man die motivierendsten und mitreißendsten Permanents, die mit den Wochenhelfern zusammenarbeiten und dabei dafür sorgen, dass auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. (Warum sind die Frauentoiletten eigentlich immer sauberer als die Herrentoiletten?)
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